Eigenverantwortliches Lernen
Eigenverantwortliches Lernen

Seit Sommer 2017 ist das eigenverantwortliche Lernen an der Sekundarschule Ägelsee institutionalisiert. Im neuen Lernraum mit rund 50 Arbeitsplätzen und 3 Gruppenräumen können die Schülerinnen und Schüler während vier Lektionen pro Woche eigenverantwortlich lernen.

Was ist eigenverantwortliches Lernen?

Nüchtern betrachtet ist das eigenverantwortliche Lernen (EL) nichts anderes, als dass die Schülerinnen und Schüler während eines Teils des Lernprozesses individuell oder kooperativ arbeiten, ohne direkte Anleitung und Instruktion der Lehrperson. Sie lernen dabei im eigenen Tempo, alleine oder in Kooperation und Austausch mit anderen Lernenden. Sie arbeiten in unterschiedlichen Tiefen und mit unterschiedlicher Hilfestellung durch die Lehrperson.

Mit der Abschluss eines Lernprozesses wird im besten Fall eine neue Kompetenz erreicht. Der Weg zur Kompetenz ist vielfältig möglich, häufig auch stark abhängig vom Vorwissen der Lernenden.

Vereinfacht kann dieses Unterrichtskonzept mit dem Sandwich-Prinzip dargestellt werden:


Die Phasen eigenverantwortlichen Lernens können unterschiedlich lang sein. Sogenannte „kleine Sandwiches“ sind in jeder Lektion möglich. Konfrontationsaufgaben, aber auch Erarbeitungs- und Vertiefungsaufgaben können vielfach individuell oder kooperativ gelöst werden. Dafür muss nicht jedes Mal ein grösserer Zeitraum zur Verfügung gestellt werden.

In längeren Phasen eigenverantwortlichen Lernens im Lernraum können die Lernenden neben den Fachkompetenzen auch an ihren überfachlichen Kompetenzen wie Zeitmanagement, Ausdauer, Zusammenarbeit, Selbständigkeit, Selbstkontrolle, usw. arbeiten und diese verbessern.

Warum ist eigenverantwortliches Lernen wichtig?

Aus der Erkenntnis, dass Lernen letztlich ein zutiefst individueller Prozess ist, der stark durch die persönliche Erfahrungen geprägt wird, leitet sich folgerichtig ab, dass jede und jeder Lernender mehr oder weniger unterschiedliche Voraussetzungen für den Lernprozess mitbringt. Dem muss Rechnung getragen werden, indem sich die Lernenden individuell vertiefen können.

Eigenverantwortliches Lernen ist aber auch im Hinblick auf die Zeit nach der Schulpflicht überaus wichtig. In unserer Wissensgesellschaft mit ihren kurzen Innovationszyklen wandelt sich das private und berufliche Leben immer rascher. Die Fähigkeit, eigenverantwortlich die im privaten wie beruflichen Umfeld neu geforderten Kompetenzen zu erlernen, wir immer bedeutsamer, zumal mit dem Internet vielfältige Wissenbestände frei verfügbar sind.

Modell Plus

Jeder Schüler und jede Schülerin besucht in der Sek Ägelsee mindestens 35 Lektionen Unterricht. Von diesen 35 Lektionen finden 4 Lektionen im Lernraum statt. Dort arbeiten die Lernenden wie oben beschrieben eigenverantwortlich an verschiedenen Aufträgen, welche sie in Fächern wie Deutsch, Mathematik, Natur&Technik und Räume&Zeiten erhalten. In der dritten Sek arbeiten sie an persönlichen Projekten.

Die Jahrespläne geben Auskunft darüber, was in welcher Woche im kursorischen Unterricht und im eigenverantwortlichen Lernen an Themen und Kompetenzen erarbeitet werden soll. Nur so lässt sich eine ideale Verzahnung von kursorischem Unterricht und eigenverantwortlichem Lernen im Lernraum zu einem sinnvollen Lernarrangement herstellen.


Die Rolle der Lehrpersonen im Lernraum

Die Klassenlehrpersonen sind im EL die Lerncoaches. Damit schulische Lernprozesse nachhaltiger verlaufen, bildet Lerncoaching die Schnittstelle zwischen Instruktion der Lehrperson und Konstruktion der Lernenden.

Lerncoaching bedingt einen Unterricht, in dem mehr gelernt als gelehrt wird. Das bedeutet, dass nach Instruktionsphasen längere Konstruktions- und Übungsphasen folgen. In einem solchen Gefäss (EL) praktizieren die Lehrpersonen Lerncoaching. Sie organisieren, beobachten, zeigen nochmals vor, hören zu, überprüfen und besprechen die Meilensteine, führen Zwischenbesprechungen durch und formative Kontrollen, geben Orientierung, beraten und begleiten die Lernenden.

Der Lerncoach achtet auf die Einhaltung der Aufträge und folgt damit den verschiedenen Jahresplänen. Wichtig ist nebst den Jahresplänen Deutsch, Realien und Mathematik auch der Jahresplan für die Förderung der überfachlichen Kompetenzen. Darin sind die Sozial-, Personal- und Methodenkompetenzen über ein Curriculum der Sekundarschule auf drei Jahre sinnvoll verteilt und werden Stück für Stück aufgebaut.

Der Lerncoach nimmt im Gegensatz zur klassischen Lehrerrolle eine nicht-wissende Haltung ein! Das heisst, der Lerncoach:

  • regt zur eigenen Lösungsfindung an und gibt keine Lösungen vor
  • stellt dem Lernenden Fragen, gibt ihm keine Antworten
  • gibt Impulse und keine Ratschläge
  • animiert den Lernenden zum Erzählen, anstatt ihn zu belehren
  • regt beim Lernenden Reflexionsprozesse an
  • schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre


Das Coaching-Modell des Sekundarschulzentrum Ägelsee beruht auf dem Modell von Andreas Müller (Institut Beatenberg). Es gliedert sich in 3 Bereiche:

Transparenz

  • Berechenbar sein
  • Erwartungen transparent halten
  • Für Klarheit sorgen
  • Orientierungsrahmen geben
  • Ziele vorgeben oder vereinbaren
  • Gelingensbedingungen klären
  • Angemessen herausfordern

Präsenz

  • Das Beginnen initieren
  • Schweinehund-Phasen bewältigen helfen
  • Bedürfnisgerechte Hilfe zur Selbsthilfe leisten
  • Feedbacks geben
  • Support leisten durch lösungsorientierte Interaktion
  • Arbeitsatmosphäre schaffen
  • Kooperationen anregen

Konsequenz

  • Verbindlichkeiten einfordern
  • Ergebnisse und ihr Zustandekommen reflektieren
  • Erfolgsstrategien ableiten
  • Schritte einleiten


Integrative Begabungsförderung

Mit der Einführung des EL betreibt die Sekundarschule Ägelsee eine integrative Begabungs- und Begabtenförderung. Begabte Schülerinnen und Schüler werden einerseits durch einen differenzierten Unterricht gefördert, anderseits im Lernraum, wo sie nach Erledigung ihrer Aufträge (mit unterschiedlicher Komplexität, Quantität und Hilfestellung) an zusätzlichen bzw. anderen Aufträge (Enrichment) arbeiten können oder im Jahresplan schneller voranschreiten können (Akzeleration). Beides ist möglich und wird von den Coaches eingesetzt.