Neuer Lehrplan führt zu neuen Zeugnissen

 

Am Ende des ersten Semesters im Schuljahr 2017/18 werden am Ägelsee erstmals Zeugnisse nach dem neuen Lehrplan ausgestellt. Dies führt zu verschiedenen Anpassungen. Schulbehörde und Schulleitung haben basierend auf den kantonalen Vorgaben die benoteten Fachbereiche definiert. 



Ab August 2017 startete im Thurgau die vierjährige Umsetzungsphase des neuen Lehrplans Volksschule Thurgau. An der Sekundarschule Ägelsee wird gemäss dem Entwicklungsplan nach neuem Lehrplan unterrichtet. Dadurch erhält der Unterricht in einzelnen Fachbereichen inhaltlich eine teils neue Ausrichtung. Dies wiederum führt auch zu verschiedenen Anpassungen in den Zeugnissen, für welche der Kanton nun entsprechende Vorgaben erlassen hat.

Sprachen und Mathematik

Der Kanton gibt verbindlich vor, dass im Fachbereich Sprachen neu nur noch je eine Note für Deutsch, Französisch und Englisch gesetzt wird. Die bisherige Unterteilung in mündlich und schriftlich fällt weg. Grund dafür ist, dass der Fachbereich Sprachen neu in sechs Kompetenzbereiche gegliedert ist, welche sich nicht alle sinnvoll in die bisherigen Unterteilungen mündlich und schriftlich einteilen lassen. Dieselbe Überlegung liegt auch dem Fachbereich Mathematik zu Grunde, weil die drei Kompetenzbereiche nicht mehr zweckmässig der bisherigen Unterteilung Arithmetik/Algebra (Mathematik) und Geometrie zuzuordnen sind. In welcher Form ergänzend zur Zeugnisnote noch ein Kompetenzprofil zu einzelnen Noten künftig Bestandteil des Zeugnisses sein wird, ist Gegenstand des angelaufenen Schulversuchs zu den Beurteilungsgrundlagen an verschiedenen Thurgauer Schulen.

Natur, Mensch und Gesellschaft

Das neue Zeugnis nimmt als Grundsatz die Systematik des neuen Lehrplans auf und bildet die Kompetenzorientierung der einzelnen Fachbereiche ab. Dies gilt auch für den Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG), welcher die bisherigen Realien ablöst. Dieser Fachbereich gliedert sich neu in Natur und Technik (NT), welchem inhaltlich die bisherigen Fächer Biologie, Chemie und Physik zugeordnet sind, sowie in Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG), welche die bisherigen Fächer Geographie und Geschichte enthält. Ergänzend mutiert das bisherige Fach Hauswirtschaft neu zu Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) und erhält inhaltlich eine neue Ausrichtung. Letztlich gehört auch noch Ethik, Religionen, Gemeinschaft zum Fachbereich NMG, wobei hier keine Note, sondern der Grad der Zielerreichung im Zeugnis eingetragen wird.

Fachgrenzen verschwinden

In den Bereichen NT und RZG ergibt sich aufgrund des auch vom Lehrplan vorgegebenen Kompetenzaufbaus gegenüber bisher ein verstärkt fächerübergreifender Unterricht. Aufgrund der zu erreichenden Kompetenzziele im Lehrplan, welche eine sachlich inhaltliche Verknüpfung von Biologie, Chemie und Physik beinhalten, werden die bisherigen Fachgrenzen im naturwissenschaftlichen Bereich zwangsläufig wesentlich durchlässiger bzw. verschwinden gänzlich. Auch die in den kommenden Jahren erwarteten neuen Lehrmittel zu NT und RZG gehen in diese Richtung.

Gesamtnoten statt Einzelnoten

Als logische Folge des fächerübergreifenden Unterrichts wird deshalb je eine Gesamtnote für NT und RZG gesetzt anstelle der bisherigen Einzelnoten. Weil die Schulen während der vierjährigen Einführungsphase in den verschiedenen Fachbereichen unterschiedlich mit der Umsetzung starten, überlässt der Kanton den Schulgemeinden die Wahl, ob sie Gesamt- oder Einzelnoten setzen wollen. Der Kanton St. Gallen hat demgegenüber seinen Schulgemeinden verbindlich die Gesamtnoten für NT und RZG vorgeschrieben. Mit dem Entscheid für Gesamtnoten bringen die Schülerinnen und Schüler im Ägelsee somit im Bewerbungsverfahren dieselben Voraussetzungen wie im Kanton St. Gallen mit, was mit Blick auf die Vergleichbarkeit der Zeugnisse in der kantonsübergreifenden Region vorteilhaft ist.

Fachbereich Medien und Informatik

Für die Umsetzung des neuen Modullehrplans Medien und Informatik gibt der Kanton Übergangsbestimmungen vor, da die Schulen ganz unterschiedlich damit starten. An der Sekundarschule wird das Modul bereits nach dem neuen Lehrplan unterrichtet und auch bewertet, wobei in der ersten Sekundarklasse auf das unterschiedliche Vorwissen der Schülerinnen und Schüler aus Busswil, Rickenbach und Wilen Rücksicht genommen wird. Im Fachbereich Berufliche Orientierung wird demgegenüber gemäss kantonaler Vorgabe keine Note gesetzt, sondern der Grad der Zielerreichung im Zeugnis eingetragen.

Fachbereich Gestalten

Die bisherigen Fächer Zeichnen und Gestalten, Werken und Werken textil mutieren im neuen Zeugnis zu Bildnerisches Gestalten, Textiles und Technisches Gestalten. Der Kanton überlässt auch hier den Schulgemeinden den Entscheid, ob sie eine Gesamtnote für Gestalten, eine Sammelnote für Textiles und Technisches Gestalten oder Einzelnoten setzen wollen. Im Gegensatz zum NMG-Unterricht haben sich Schulbehörde und Schulleitung für Einzelnoten für alle drei Teilbereiche entschieden.

Verschiedene Fähigkeiten gefragt

Zum einen unterscheidet auch der Lehrplan zwischen „Bildnerisches Gestalten“ und „Textiles und Technisches Gestalten“. Zum anderen sind die thematischen Fachgrenzen zwischen bildnerischem und technischem Gestalten deutlich stärker ausgeprägt und damit weniger durchlässig. Während bei NMG generell naturwissenschaftliche Fähigkeiten im Fokus stehen, verlangen die drei Teilbereiche bildnerisches (Zeichnen), textiles und technisches Gestalten (Werken Textil, Holz und Metall) erfahrungsgemäss von den Schülerinnen und Schülern fachinhaltlich wie auch handwerklich sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten. Deshalb rechtfertigen sich auch Einzelnoten, weil damit z.B. die spezifischen zeichnerischen oder handwerklichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler besser zum Ausdruck kommen, was im Bewerbungsverfahren vorteilhaft ist. Auch hier lehnt sich der Ägelsee an die Notengebung im Kanton St. Gallen an.

Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten

Die bisherige Einschätzung zum Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten (ALS) bleibt unter der neuen Terminologie Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten (LAS) weiterhin fester Bestandteil des Zeugnisses. Der inhaltlich präzisierte Einschätzungsbogen enthält drei Kriterien zum Lernverhalten, fünf zum Arbeitsverhalten und vier zum Sozialverhalten. Zu jedem Kriterium werden Indikatoren zur Beurteilung angegeben. Alle zwölf vorgegebenen Kriterien werden auf einer vierstufigen Skala in Bezug auf die altersgemässe Erreichung beurteilt, wobei die Skala von „nicht erfüllt“ über „teilweise erfüllt“ zu „erfüllt“ bis „übertroffen“ reicht. Von der Möglichkeit, drei weitere schuleigene Kriterien in den LAS-Katalog aufzunehmen wird kein Gebrauch gemacht.

Information an Elternabenden

Ergänzend zu diesem Newsbeitrag auf der Ägelsee-Website werden die Erziehungsberechtigten an den Elternabenden umfassend über die Neuerungen informiert. Bei Fragen oder ergänzenden Auskünften steht die Schulleitung gerne zur Verfügung.